Lanzarote: Eine Woche auf der Vulkaninsel - und warum sie einen nicht mehr loslässt

Chris //

Lanzarote steht nicht ganz oben auf der Liste, wenn man an Kanarische Inseln denkt. Teneriffa, Gran Canaria – die kennt jeder. Aber Lanzarote? Die Insel ist anders. Karger, rauer, irgendwie eigenwilliger. Und genau das macht sie so faszinierend.

Hier ist, was uns eine Woche im Juni gelehrt hat.


Der Start: Nationalmannschaft, Gewitter und 30 Minuten Geduld

Früh morgens, Flughafen Frankfurt. Condor DE1408 nach Lanzarote – eigentlich ein unkomplizierter Urlaubsflug. Eigentlich. Eine Gewitterfront über Frankfurt sorgte für rund 30 Minuten Verspätung, und wir warteten am Gate.

Was die Wartezeit versüßte: Nebenan machte sich die deutsche Fußballnationalmannschaft auf den Weg nach Chicago – zur WM 2026. Nagelsmann, Neuer, Kimmich, das komplette Paket. Mit dem regulären Lufthansa-Linienflug, kein Charter. Wer früh genug am Flughafen war, konnte den Kader einsteigen sehen. Ein seltsam surrealer Moment um 8 Uhr morgens.

Dann endlich boarding. Knapp vier Stunden später: Lanzarote. Beim Verlassen des Flugzeugs trifft einen sofort diese trockene, warme Luft – und das Licht. Das Licht auf Lanzarote ist wirklich anders. Klarer, schärfer, kontrastreicher.

Tipp: Costa Teguise als Basis lohnt sich. Ruhiger als Puerto del Carmen, nördlich von Arrecife gelegen, mit guter Anbindung in alle Richtungen. Wir waren im Allsun Albatros untergebracht – ein solides Hotel direkt am Ort, das auch Ausflüge vermittelt.


Tag 1 & 2: Erstmal ankommen

Die ersten Tage haben wir bewusst ruhig angegangen – noch ohne Mietwagen, zu Fuß und per Bus. Costa Teguise erkunden, die Küste entlang laufen, das Tempo der Insel spüren. Schwarze Lavabrocken zwischen weißen Häusern, Kakteen, gelegentlich ein streunender Wind – und immer wieder das Meer.

Lanzarote braucht ein bisschen, bis man seinen Rhythmus gefunden hat. Wer sofort mit dem vollgepackten Ausflugsprogramm anfängt, verpasst das.


Der beste Tag: Timanfaya und die Westküste

Wer nur einen Ausflug auf Lanzarote macht, sollte es dieser sein.

Diesen Tag haben wir als geführte Bustour gebucht – direkt über das Hotel, unkompliziert und mit allem dabei. Für Timanfaya ist das übrigens sinnvoll: Der Nationalpark ist ohne geführte Tour nur eingeschränkt zugänglich.

Die Route führte über Arrecife und Puerto del Carmen zunächst in die La Geria – die Weinberglandschaft im Inselinneren. Was hier zu sehen ist, wirkt auf den ersten Blick absurd: Hunderte kleine kreisförmige Vertiefungen in schwarzem Vulkanboden, in jeder davon ein Weinstock, umgeben von einer halbmondförmigen Mauer aus Lavagestein. Die Mauern schützen die Reben vor dem Wind, das dunkle Gestein speichert Wärme und Feuchtigkeit. Ein System, das die Bewohner nach dem Vulkanausbruch von 1730 entwickelt haben – aus purer Notwendigkeit. Der Wein, der dabei entsteht, ist übrigens tatsächlich gut.

Weiter nach Timanfaya. Ehrlich gesagt: Fotos tun diesem Ort keinen Gefallen. Man muss da stehen und in alle Richtungen schauen – tiefschwarze und rotbraune Lavafelder, so weit das Auge reicht. Kein Baum. Kein Strauch. Nur erkaltetes Magma, Wind und eine fast unwirkliche Stille. Der Nationalpark fühlt sich an wie ein anderer Planet.

Nachmittags weiter zur Westküste: El Golfo mit seinem grünen Lagunensee direkt am Meer überrascht mit einer Farbe, die man so nicht erwartet – das Grün kommt von Algen im Wasser, der Kontrast zum schwarzen Lavastrand drumherum ist surreal. Gleich daneben liegt der Charco de los Clicos, ein erloschener Vulkankrater, der zur Hälfte vom Atlantik gefüllt ist.

Den Abschluss machten die Los Hervideros auf dem Rückweg: Lavaküste, in die Wellen donnernd einschlagen und durch Höhlen sprudeln. Laut, wild, beeindruckend – und kostenlos.

Tipp: Ausflüge ins Timanfaya lassen sich bequem über das Hotel buchen – kein Aufwand, alles inklusive. Die Ruta de los Volcanes, die Busrundfahrt durch den Nationalpark, ist ohnehin Pflicht: Sie führt in Bereiche, die man zu Fuß oder mit dem eigenen Auto nicht erreicht.


Norden: Wo Lanzarote sich von einer anderen Seite zeigt

Ein anderer Tag, ein anderes Lanzarote. Ab Samstag hatten wir einen Mietwagen – und damit plötzlich die ganze Insel zur Verfügung. Der Norden war die erste große Erkundungstour auf eigene Faust, und sie hat einige der stärksten Eindrücke der ganzen Woche geliefert.

Teguise, die alte Hauptstadt, ist ein guter erster Stopp. Enge Gassen, weiße Fassaden, eine Festung auf dem Hügel – hier merkt man, wie alt die Geschichte der Insel wirklich ist. Samstags findet hier ein großer Markt statt.

Haría ist eine kleine Überraschung: Ein Tal mit Hunderten von Palmen, grüner und üppiger als der Rest der Insel, fast mediterran. Ein guter Ort für eine kurze Pause.

Ganz im Norden dann der Mirador del Río – ein Aussichtspunkt, den César Manrique in die Felsen gebaut hat. Von hier aus blickt man auf den schmalen Meereskanal zwischen Lanzarote und der vorgelagerten Insel La Graciosa. Das Wasser in diesem Blauton, die Steilküste, die flache Insel darunter – das ist eines dieser Bilder, die man im Kopf behält.

Auf dem Rückweg die Jameos del Agua: eine der faszinierendsten Sehenswürdigkeiten der Insel. In einer unterirdischen Lavaröhre liegt ein Salzsee – und darin lebt eine blinde Albino-Krabbe, Munida Eleonorae, die es nur hier auf der Welt gibt. Evolved in kompletter Dunkelheit, ohne Augen. Wer sowas nicht spannend findet, kann die Anlage überspringen – alle anderen sollten es nicht.

Direkt daneben die Cueva de los Verdes: derselbe unterirdische Lavaturm, nur oberirdisch zugänglich und spektakulär beleuchtet. Die Führung endet mit einem kleinen optischen Trick, den wir hier nicht verraten.

Tipp: Jameos del Agua und Cueva de los Verdes gehören zusammen und liegen nah beieinander – beide an einem Tag einplanen. Mit dem Mietwagen ist man hier deutlich flexibler als mit dem Bus.


Der Süden: Playa Blanca und ein anderes Lanzarote

Mit dem Mietwagen war auch der Süden kein Problem. An einem der letzten Tage ging es bis nach Playa Blanca ganz im Süden der Insel. Hier ist Lanzarote flacher, weißer und touristischer – ein anderes Gesicht, das zeigt, wie unterschiedlich die Insel sein kann. Schön für einen Strandtag, aber für das Lanzarote-Feeling eher weniger charakteristisch.

Lohnenswert auf dem Weg dorthin: nochmals durch die Weinberge, nochmals Los Hervideros – manche Orte sieht man gerne zweimal.


Abreise: Letzter Strandgang und ab nach Hause

Den letzten Morgen haben wir noch einmal am Strand verbracht. Ein letztes Mal Atlantik, schwarzer Sand, Salzluft. Nach dem Mittagessen dann der Weg zum Flughafen – um 16:30 Uhr hob der Rückflug DE1409 ab.

Knapp vier Stunden später: Frankfurt. Draußen grüne Felder, graue Wolken, feuchte Luft. Der Kontrast trifft einen direkt beim Aussteigen.


Fazit: Lohnt sich Lanzarote?

Ja. Aber nicht für jeden.

Wer Strandurlaub, Poolbar und All-inclusive sucht, findet das auch hier – ist aber auf der falschen Insel. Wer eine Insel mit echter Persönlichkeit sucht, eine Landschaft, die man so nirgendwo sonst sieht, und Orte, die einen noch ein paar Wochen nach der Rückkehr beschäftigen – der ist genau richtig.

Lanzarote ist keine Insel, die laut von sich erzählt. Sie zeigt sich langsam. Und das ist genau das Richtige.